Ein Projekt des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie  
 
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Das ToyLab vom DVSI

Mit dieser Prüf- und Mess-Einrichtung geben wir Ihnen Werkzeuge in die Hand, die Ihnen bei täglicher oder gelegentlicher Beurteilung der Sicherheit von Spielzeugen helfen sollen.

Die Auswahl der Werkzeuge und Prüfmittel hat sich aus praktischen Erfahrungen bei jahrzehntelangem, fast täglichem Einsatz ergeben. Mit allen Werkzeugen können Sie nach kurzer Übung sicher umgehen. Aber auch hier gilt:

Übung macht den Meister! Nach kurzer Zeit werden Sie sich ganz sicher fühlen.

Viel Erfolg dabei wünscht
Ihr DVSI

Im ToyLab Koffer finden Sie folgende Werkzeuge und Prüfmittel:

Der ToyLab-Koffer

Der Umgang mit vielen dieser Werkzeuge erschließt sich von selbst, bei anderen gilt es, einige Tücken zu vermeiden.

Beachten Sie zwei wesentliche Unterschiede beim Arbeiten:

Mit Prüfgeräten wird festgestellt, ob ein bestimmtes Ereignis stattfindet (passt ein Spielzeugteil in den Prüfbecher?)

Mit Messgeräten wird ein bestimmtes Messergebnis als Zahl festgestellt. Anschließend sehen Sie in der Norm nach, ob das Ergebnis den Anforderungen entspricht.

Hier geben wir Ihnen jetzt Tipps für den Umgang mit diesen Werkzeugen.

 

Prüfzylinder

Mit dem Prüfzylinder stellen Sie fest, ob es sich bei dem zu prüfenden Objekt um ein "Kleinteil" handelt.

Der Prüfzylinder entspricht Bild 14 der EN 71-1, 8.2 "Zylinder für kleine Teile" (Bilder 1 - 3).

Lesen Sie in EN 71 unter 5.1 nach, welche Teile Sie hier nicht prüfen müssen, zum Beispiel Papier, Garn, Luftballons, Kreide etc. In den Teilen 5.2 und 4.6, 4.11, 4.18 finden Sie weitere Hinweise, die für den Umgang mit dem Prüfzylinder wichtig sind.

Lassen Sie den Prüfgegenstand in den Zylinder gleiten und stellen Sie fest, ob er vollständig hinein passt. Dann ist er ein "Kleinteil".

Helfen Sie nicht nach, drücken oder schieben Sie den Gegenstand nicht in den Zylinder. Er muss mit seinem Eigengewicht alleine in den Prüfzylinder gleiten und evtl. hinein passen.

Drehen Sie den Prüfgegenstand aber so, dass er in der "ungünstigsten" Lage möglichst doch noch in den Prüfzylinder passt.

So platzieren Sie beispielsweise kleinere Spielzeugteile nach unten in den engen Teil, größere Teile nach oben. Ein so eingelegtes Teil wird dann evtl. doch ganz im Prüfzylinder verschwinden.

Lassen Sie den Prüfgegenstand in den Zylinder gleiten; passt er vollständig hinein, so handelt es sich um ein "Kleinteil".

Es wäre falsch, dieses Teil umgekehrt hineinzulegen und festzustellen, dass ein Teil des Spielzeugs aus dem Prüfzylinder ragt und es deshalb kein Kleinteil sei.

Machen Sie mehrere Versuche. Wenn in nur einer Stellung der Gegenstand vollständig hinein passt, handelt es sich um ein "Kleinteil".

Sie stellen ein "Kleinteil" fest, wenn der gesamte Gegenstand in den Prüfzylinder passt und nicht über den offenen Rand des Prüfzylinders ragt.

 

Prüfschablonen

A (langrund) und B (rund), Bilder 19 und 20 in EN 71-1 Teil 8.16

Mit Hilfe dieser Prüfschablonen soll sichergestellt werden, dass keine Teile von bestimmten Spielzeugen so tief in den Schlund von Kleinkindern passen, dass ein Würgreiz ausgelöst werden könnte.
Die betreffenden Spielzeuge sind im Teil 5.8 und 5.11 beschrieben (Rasseln, Beißringe, Bausteine, Spielzeugfiguren etc.).

Alle zutreffenden Spielzeuge werden auf der einen Seite der Prüfschablone A ohne besonderen Druck eingeführt. Sie müssen feststellen, ob Teile dieses Spielzeugs auf der anderen Seite herausragen. Ist das der Fall, ist das Spielzeug für kleine Kinder nicht geeignet.

Handelt es sich um runde oder nahezu runde Prüfgegenstände, wiederholen Sie die gleiche Prüfung mit Prüfschablone B.

Stellen Sie fest, dass der Prüfgegenstand (Beißring etc.) aus dem Schablonenkörper herausragt, ist das Spielzeug für Kleinkinder nicht geeignet.

 

 

Messgerät: Schieblehre

Sie müssen immer wieder Maße überprüfen, die in der EN 71 vorgegeben sind.

Achten Sie beim Umgang mit der Schieblehre darauf, dass die Mess-Schenkel sauber sind, um Messfehler zu vermeiden.
Bevor Sie den beweglichen Mess-Schenkel verschieben, lösen Sie durch Druck die Bremse (siehe Bild).

Für das Messen von Materialstärken schieben Sie den beweglichen Mess-Schenkel zuerst nach rechts und klemmen den Prüfgegenstand zwischen die Mess-Schenkel. Um Messfehler zu vermeiden, verkanten Sie den Prüfgegenstand nicht.
Wenn Sie den Durchmesser flexibler Materialien (z.B. Schnur) feststellen wollen, dürfen Sie die Mess-Schenkel nur so fest zusammenschieben, bis der Gegenstand berührt wird. Beim Messen der Länge der Projektile mit Saugnapf (EN 71-1 Teil 4.17) müssen Sie bei Längen nahe der Mindestlänge die Schieblehre senkrecht halten, um die Masse des Projektils auf den flexiblen Saugnapf wirken zu lassen. Einfacher ist diese Messung, wenn Sie das Projektil auf eine ebene Fläche stellen und mit dem Tiefenmessteil die Länge feststellen (siehe Abb. 2 + 3, nächste Seite: "Tiefenmessungen"). Bei festerem Zusammendrücken würde das Messergebnis verfälscht.
Um die Unsicherheit eines "unrunden" Gegenstandes auszugleichen (z.B. flexibler "Small Ball"), sollten Sie an mehreren Stellen messen, um den kleinsten oder größten Durchmesser festzustellen, je nachdem, was ungünstiger ist.

Für das Messen von Innendurchmessern (Abb.1) verwenden Sie die nach oben aus der Schieblehre herausragenden "Innenmess-Schenkel". Auch hier müssen Sie darauf achten, den Prüfgegenstand nicht zu verkanten. Beispiel für Messung: EN 71-1 Teil 4.10.4, Abstand der Wendel von Zug/Druckfedern mit Hilfe der Innenmess-Schenkel.

Für das Messen von Tiefenmessungen in Hohlräumen verwenden Sie die Tiefenmess-Schiene, die beim Verschieben des beweglichen Teils rechts aus der Schieblehre herauskommt.

Sie legen das rechte Ende der Schieblehre an den oberen Lochrand und schieben das Tiefenmaß bis in das Loch-Ende (Abb. 2 + 3).

Sie lesen das Ergebnis aller Messungen immer am feststehenden Millimeter-Lineal der Mess-Schiene ab (Abb. 4).

Nach jeweils 10 mm steht eine Zahl (10, 20 etc.) zum einfacheren Ablesen. Auf dem beweglichen Teil der Schieblehre befindet sich die Ablesehilfe, der Nonius. Dort sind mehrere Striche, die zu den Millimeter-Zahlen auf der feststehenden Mess-Schiene hinführen. Der erste, linke Strich, gibt eine erste, grobe Information zum Messergebnis.

Auf der Abbildung 4 können Sie (über dem "0" Strich des Nonius) 11 mm ablesen.
Sie sehen aber auch, dass Ihr Prüfgegenstand größer als 11 mm ist, da sich der erste Noniusstrich zwischen 11 und 12 mm befindet.

Jetzt suchen Sie nach rechts auf dem Nonius nach der Zehntel-mm-Angabe, bei der ein Noniusstrich auf dem beweglichen Teil der Schiebblehre mit irgendeinem Millimeter-Strich auf der Mess-Schiene übereinstimmt.

Die Übereinstimmung wird nach rechts immer besser, bei 2 ist sie gegeben und der Noniusstrich stimmt mit der Millimeter Skala überein. Das ist die gesuchte Stelle.

Das richtige Ergebnis ist also 11 mm plus 0,2 mm = 11,2 mm.

Jetzt können Sie mit dem wichtigsten Messinstrument sicher umgehen.

 

Messgerät: Mikrometer

In der EN 71-1 Teil 5.3, ist festgelegt, dass Folien nicht so dünn sein dürfen, dass sie evtl. an Mund oder Nase anhaften, so dass kleine Kinder daran ersticken können.

Sie müssen also in der Lage sein, eine Folie von 38 tausendstel Millimeter identifizieren zu können. Dafür liegt der Mikrometer bei ( Abb. 1).

Da sogar Staubkörnchen das Messergebnis bei dieser präzisen Messung verfälschen können, reinigen Sie bitte vor jedem Messevorgang die Messflächen (Abb. 2). Sollte der Feststeller gedrückt sein, lösen Sie ihn (Abb. 3).

Legen Sie ein Stück Papier zwischen die Messflächen und drehen mit dem kleinen Drehrad rechts außen den beweglichen Messzylinder auf das Papier zu. Wenn das Papier ein wenig eingeklemmt ist, ziehen Sie es zum Reinigen zwischen den Messflächen hindurch.

Zum Messen bewegen Sie immer nur das kleine Drehrad rechts außen. Dieses Rad dreht durch, wenn ein bestimmtes Drehmoment erreicht ist.

Anders funktioniert der große Durchmesser mit der Rundskala:
Er ist fest mit dem Messzylinder verbunden. Sollten Sie an diesem großen Durchmesser drehen, würden Sie das Messergebnis dadurch verfälschen, dass Sie mal fester, mal weniger fest drehen. Durch das fest eingestellte Drehmoment am kleinen Drehrad vermeiden Sie diese Verfälschung.

 

Werkzeug: Greifzange und Federwaage

Sie müssen häufig herausfinden, ob sich ein Teil des Spielzeugs lösen lässt und zum "Kleinteil" wird. Dazu müssen Sie zum einen das Spielzeugteil fest greifen und zum anderen mit einer Kraft von 50 N (Newton) oder 90 N ziehen. Details finden Sie in der EN 71-1, Teil 8.4.2.1.

Stellen Sie als erstes die Greifzange so ein, dass das abzuziehende Teil sicher gegriffen, aber nicht beschädigt wird. 90 Newton für Teile über 6 mm sind eine recht erhebliche Kraft , die Sie anwenden müssen, entsprechend etwa 9 "kg". Dazu muss das Teil also sicher eingespannt sein und das erreichen Sie folgendermaßen:

Schließen Sie die Greifzange. Der Prüfgegenstand muss später zwischen die Greifbacken eingespannt werden. Verstellen Sie am unteren Ende der Greifzange die Drehschraube so, dass Sie annehmen können, dass der Prüfgegenstand beim Zusammendrücken der Greifbacken sicher eingeklemmt wird. Abhängig von der Verletzbarkeit des Prüfgegenstandes probieren Sie jetzt vorsichtig , ob durch Öffnen und Schließen der Zange der Prüfgegenstand fest genug eingespannt ist, ohne dass er beschädigt wird. Nötigenfalls verändern Sie den Abstand der Greifbacken mit der Drehschraube und umgeben den Prüfgegenstand mit einer Schutzhülle.

Wenn Sie den Prüfgegenstand sicher eingeklemmt haben, führen Sie den offenen Haken der Federwaage in das Loch am Zangengriff. Ziehen Sie langsam und gleichmäßig am Ring der Federwaage, bis Sie innerhalb etwa 5 Sekunden die gewünschte Zugkraft erreichen. Die Zugkraft erkennen Sie an den sichtbar werdenden Zahlen der Federwaage. Sie halten diese Kraft etwa 10 Sekunden lang gleichmäßig und lassen dann langsam los.

Hat sich das Teil gelöst, führen Sie es anschließend in den Prüfzylinder.

  • Passt es dort hinein, gilt es als "Kleinteil".
  • Passt es dort nicht hinein, gilt die Prüfung als bestanden.
  • Hat sich der Prüfgegenstand nicht gelöst, ist dieser Teil der Prüfung bestanden.

Es ist empfehlenswert, die Kraft geringfügig höher als 50 N oder 90 N auszuüben. Dann sind sie ganz auf der sicheren Seite, da bei der einfachen Konstruktion der Federwaage Toleranzen zu erwarten sind, Toleranzen aber auch bei der Fertigung auftreten können. Das bereitet keine Probleme, sofern Sie geringfügig über die angegebene Zugkraft gehen.

Zum Schluss öffnen Sie die Greifzange, um den Prüfgegenstand freizugeben. Dazu ziehen Sie den inneren Schenkel der Zange nach innen. Damit löst sich der Zangendruck auf den Prüfgegenstand.

 

Gliedermaßstab

Mit diesem Messgerät können Sie am Spielzeug vielerlei vorgeschriebene Maße der EN 71 kontrollieren. Das können die Abstände der Luftlöcher bei Masken sein (4.14.2), die grobe Feststellung der Länge von Projektilen (4.17.2), Längen von Schnüren von Nachziehspielzeug oder über Kinderwagen. Vergessen Sie dabei aber bitte nicht die evtl. angegebene Zugkraft zu berücksichtigen, die Sie mit der Federwaage kontrollieren.

 

Im Auftrag des DVSI wurde der ToyLab Koffer von Friedrich Hauptmann zusammenzustellen und die Bedienungsanlietung geschrieben.

Bei technischen Rückfragen:

Friedrich Hauptmann · Consultant
Waldrain 1
D-63801 Kleinostheim
Tel.: (+49) 6027 8494
Fax: (+49) 6027 5961
E-Mail: hauptmann.consultant@t-online.de

Internet www.toysafety.de oder www.spielzeugsicherheit.de

 

Hinweis:

Lassen Sie sich Zeit, um Erfahrungen im Umgang mit allen Werkzeugen zu sammeln, um immer wohlfundierte Aussagen zu treffen.
Überschätzen Sie bitte auch nicht die Möglichkeiten, die dieser ToyLab Koffer bietet. Chemische Prüfungen , elektrische Prüfungen, elektromagnetische Verträglichkeit und ähnliches gehören in die Hand gut ausgestatteter Labors und Experten.
Der ToyLab Koffer, zusammen mit einer guten Einführung durch DVSI und TÜV, bietet Ihnen eine sehr gute Grundlage, die Sicherheit von Spielzeugen beurteilen zu können.

Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen
Ihr DVSI
Deutscher Verband der Spielwaren-Industrie e.V.
Heinestraße 169
70597 Stuttgart
Tel: 0711/97658-0
Fax: 0711/97658-30
E-Mail: info@toy.de
Internet: www.toy.de